Internationaler Freimaurerorden für alle Menschen Österreich

LE DROIT HUMAIN

DAS MENSCHENRECHT

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Galerie der Erinnerung

Hans R. Gál

Hans Gal

Hans Gál wurde am 26. April 1897 als János Róbert Grünwald in der ungarischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie in Ödenburg/Sopron geboren. Er verstarb am 19. September 1956 in Kapstadt in Südafrika. Seine Eltern waren jüdischer Herkunft, der Vater Frigyes/Friedrich Grünwald (1868-1944) arbeitete als Beamter, die Mutter Theresia Steinhardt (1869-?) stammte aus Wimpassing an der Leitha/Vimpác bei Eisenstadt. Das Paar hatte zwei Kinder, Sohn Janós Róbert und Tochter Margit, die bereits ein Jahr nach der Hochzeit am 16. September 1892 zur Welt kam. Während Hans zum Chemieingenieur avancierte, studierte seine Schwester Margit an der Musikakademie Klavier und brachte es dabei bis zur Konzertreife. Nach der Heirat mit ihrem Kollegen Franz Salmhofer im Jahre 1923 verlagerte sich ihr Schwerpunkt. Sie widmete sich weniger ihrer eigenen Laufbahn, als der Karriere ihres Mannes. Für den aufstrebenden Komponisten transkribierte sie seine Noten und fertigte ganze Partituren. 1913 änderte sie ihren Namen von Grünwald zu Gál, 1918 trat sie aus der Israelitischen Kultusgemeinde aus.

Ihr Bruder tat es ihr gleich. 1915, im Alter von 18 Jahren, wechselte der nach Wien Zugewanderte seinen Namen von János Grünwald in Hans Gál. Er folgte damit dem in der ungarischen Reichshälfte herrschenden nationalistischen Druck, sich von deutsch klingenden Familienamen zu trennen. 1919 trat er zudem aus der Israelitischen Kultusgemeinde. Drei Jahre später heiratete er am 28. April 1922 in der lutheranischen Pauluskirche Julie Pollak, genannt Lia (1896 – 1943). Die Jungvermählten wurden 1923 kurz nach der Gründung der ersten gemischten Freimaurerei als Paar Mitglied des Le Droit Humain. Beide waren Mitte Zwanzig, also für damals übliche Mitgliedschaften ziemlich jung für die neue Vereinigung.

Bis 1929 schienen die Geschwister Margit und Hans mit Partner und Partnerin an derselben Adresse, in 1040 Wien, Argentinierstraße 53, auf. Die Tochter von Hans und Lia Gál, Lilian Margit Gabriele (17.9.1929 Wien - 6.11.1990 Südafrika), kam 1929 zur Welt und wurde evangelisch getauft. Durch den familiären Zuwachs erwog man einen Ortswechsel. Von 1930-1934 wohnte die kleine Familie im Karl-Marx-Hof, in 1190 Wien Heiligenstädterstraße 82-90, Stiege 27. Der Gemeindebau ist mit über 1000 Metern der längste zusammenhängende Wohnbau der Welt. Er galt bereits bei seiner Eröffnung im Oktober 1930 als renommiertes Paradeprojekt des Roten Wien und bot 1.382 Wohnungen für rund 5.000 Personen. Mit ihm ermöglichte die Sozialdemokratie fortschrittliche Wohnverhältnisse. Hans und Lia Gál zählten zu den ersten, die den neuen Luxus von fließendem Wasser, Bad und Innentoilette genießen durften. Gemeinschaftseinrichtungen und begrünte Innenhöfe schufen ungeahnte Lebensqualitäten. Laut Auskunft des Enkels Andrew Hall teilten seine Großeltern die sozialistische Gedankenwelt.

Doch die Zeiten waren turbulent. 1933 kam Adolf Hitler in Deutschland an die Macht und in Österreich putschte sich Engelbert Dollfuß in die Regierung, um hier seine austrofaschistische Diktatur zu etablieren. Während des Bürgerkriegs und der Februarkämpfe von 1934, die sich gegen seine Herrschaft richteten, suchten sozialdemokratische Verteidiger der Demokratie in den Reihen des Schutzbundes im Karl-Marx-Hof Zuflucht. Sie gaben ihren Kampf erst nach Artilleriebeschuss durch Bundesheer und Heimwehr auf. Hunderte starben, tausende wurden verhaftet, einige ihrer Kämpfer zum Tode verurteilt, andere im Anhaltelager Wöllersdorf interniert, viele entkamen in die benachbarte Tschechoslowakei. Die Familie Gál war vor den Kämpfen aufs Land geflohen. Als sie in ihre Wohnung zurückkehrte, fand sie den Nachbarn durch ein Artilleriegeschütz getötet auf. Sie verstand unverzüglich die Gefahr, in der sie nun schwebte. Während der Schwager Franz Salmhofer illegales NSDAP-Mitglied wurde, entschlossen sich Hans und Lia Gál als sozialdemokratisch Gefährdete unverzüglich zur Flucht. Hans Gál stellte zahlreiche Auswanderungsanträge, Südafrika war das erste Land, das ihm und seiner Familie eine diesbezügliche Genehmigung erteilte. Die Verbindungen durch die Freimaurerei dürften laut Aussage des Enkels hier wesentliche Hilfe geboten haben. Sie wohnten nun ein Jahr lang getrennt voneinander in drei freimaurerischen Familien. Diese halfen den staatenlosen Flüchtlingen, die sich nur an den Wochenenden sehen konnten, bei Anträgen und Dokumenten.

Zwar hatten sie den direkten Kriegsschauplatz in Europa verlassen, doch der Geist des Nationalsozialismus verfolgte sie bis in den Süden Afrikas. Als Tochter Lilian nach dem Unterricht in ihrer Deutschen Schule das Foto eines „netten Onkels mit Schnurrbart“ mit erhobener Hand grüßen musste und dabei das Horst-Wessel-Lied – die Parteihymne des Nationalsozialismus - sang, nahmen sie die Eltern unverzüglich aus dem Unterricht und meldeten sie in einer Mädchenschule der anglikanischen Kirche an. Gleichzeitig unterzog man deutsche und österreichische Personen einer politischen Prüfung. Die Familie Gál konnte ihre antinazistische Haltung klarstellen und wurde entsprechend ihrer Qualifikation auch als gesellschaftlich wertvoll eingestuft. Vorerst lösten sich bei Hans Gál jedoch mehrere Beschäftigungsverhältnisse ab, bis er schließlich bei der Metal Box Company, dem späteren Nampak Verpackungsunternehmen, bis zu seiner Pensionierung eine Anstellung als Forschungschemiker fand. Seine Frau Lia besaß im Zentrum von Kapstadt ein Geschäft für Inneneinrichtung.

1941 erlangte Hans Gál die südafrikanische Staatsbürgerschaft. Während der Kriegsjahre experimentierte er mit Lebensmittelkonservierungsmethoden für die südafrikanischen Streitkräfte, die in Nordafrika oder Italien kämpften. Gleichzeitig nützte er die Verpackungsmaschine, um über das Rote Kreuz Pakete gefüllt mit Geschenken oder Wertsachen an die in Europa verbliebene Verwandtschaft zu schicken. Hier tobte der Zweite Weltkrieg. Jene die nicht geflohen waren und durch die Nürnberger Gesetze als jüdisch galten, wurden enteignet, vertrieben oder ermordet. Dieses traurige Schicksal teilte etwa der Vater von Hans, Frigyes/Friedrich Grünwald, in Auschwitz-Birkenau nach seiner Deportation im Jahre 1944 Schwager Franz Salmhofer überstand als Kapellmeister am Wiener Burgtheater den Krieg unbeschadet. Da er mit einer jüdischen Frau verheiratet war, hatte man ihm sein Ansuchen um eine legale NSDAP Mitgliedschaft verweigert, ihm allerdings seine Anstellung weiter gebilligt. Seine Nichtmitgliedschaft kam ihm nach dem Krieg zugute. Von 1945 bis 1954 fungierte er als Direktor der Wiener Staatsoper. Seine Frau Margit überstand den Terror unbehelligt, sie verstarb am 3. Mai 1954, ihr Mann schloss am 22. September 1975 für immer die Augen. Er ruht in einem Ehrengrab der Stadt Wien.

Lia Gál verstarb bereits am 23. September 1943 im Alter von nur 47 Jahren in Südafrika an Brustkrebs. Ihre Asche ruht in Kapstadt im Kolumbarium des Maitland Road Cemetery. Auf dem Gedenkstein findet man die Worte Fiat Lux – Es werde Licht. Der Witwer Hans Gál heiratete erneut. Seine Wahl fiel auf die Wienerin Elisabeth Schefranek (26.3.1900 Wien-24.6.1974 Wien). Die Hochzeit fand am 7. August 1945 in Sea Point in Kapstadt statt. Schefranek befand sich zu diesem Zeitpunkt zusammen mit ihrer Mutter Selma noch als „enemy alien“ als „feindliche Ausländerin“ in London. Sie hatte jedoch auf Amtswegen die Genehmigung zur Heirat erhalten. Der Bräutigam half ihr und ihrer Mutter durch diese Verbindung nach Südafrika zu gelangen. Die Schauspielerin und Kostümbildnerin, eine zum Katholizismus konvertierte und aus Wien geflohene Jüdin, wurde damit die Stiefmutter der jugendlichen Lilian. Einst war sie im Ensemble des berühmten Burgtheaterschauspielers Raoul Aslan und mit diesem auf Gastspieltourneen durch Europa getourt, dann zwang sie der nationalsozialistische Terror zur Flucht. Hans Gál starb am 19. September 1956. Seine Asche ruht wie jene seiner ersten Frau in Kapstadt im Maitland Road Cemetery, auch hier finden sich unter seinem Namen die Worte Fiat Lux. Nach seinem Tod kehrte seine zweite Frau nach Österreich zurück und trat wieder in die Israelitische Kultusgemeinde ein. Sie ist in der neuen jüdischen Abteilung des Zentralfriedhofes begraben.

Hans Gáls Tochter Lilian Gál studierte Sozialwissenschaften, arbeitete als Sozialarbeiterin und später als Mathematiklehrerin. Sie zog nach Rhodesien, wo sie 1958 den Zivilingenieur Michael Douglas Hall (23.8.1929–8.7.2016) kennenlernte, ihn 1958 heiratete und mit ihm in Welkom ansässig wurde. Von dieser südafrikanischen Kleinstadt, dem Zentrum der Goldindustrie, führte ihr Weg nach Johannesburg. Hier kamen Sohn Andrew und Tochter Christine zur Welt. Während Andrew Geschichte studierte und als Museumsdirektor in Süd-Afrika arbeitete, zog es seine Schwester nach einem Studium in Wien als Pädagogin in die USA. Das Leben der Familie war durch Umzüge geprägt, sie führten über Rhodesien nach Salisbury/Harare, Johannesburg und 1975 schließlich nach Port Elizabeth/Ggeberha. In dieser, am indischen Ozean gelegenen südafrikanischen Stadt, arbeitete Lilian an verschiedenen katholischen Mädchengymnasien als Mathematiklehrerin. Hier verstarb sie nach einem langen Kampf gegen Krebs am 6. November 1990. Erst nach ihrem Tod erfuhr der Sohn von der Existenz seiner Stiefmutter und von der jüdischen Herkunft seiner Mutter. Lilian Gál sprach kaum über ihre Familie und ihre jüdische Herkunft, hatte ihre politische Haltung jedoch stets deutlich gemacht. Ihr Sohn Andrew führt dies auf die dramatischen Ereignisse 1934 in Wien zurück und auf das Trauma Flüchtling zu sein und zu wissen, welches Schicksal die Familienmitglieder ereilte, die Wien nicht rechtzeitig verlassen konnten.



Quelle: Archiv und Forschung des LE DROIT HUMAIN Österreich

Link: Hans Gál auf der Plattform WIEN GESCHICHTE WIKI

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